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Dissonanzen in Heinrich Heines Lyrik

Heinrich Heines Lyrik rief bei den Zeitgenossen Bewunderung hervor, stieß aber auch auf tiefe Ablehnung. Die oft konstatierte „Zerrissenheit“ seiner Lyrik wird insbesondere durch die vielen Fremdwörter evoziert.

In seinen ersten Gedichten war Heinrich Heine noch stark der romantischen Stimmungslyrik verhaftet[1]Im Buch der Lieder finden sich viele Gedichte wie die Loreley, die dem poetischen Programm der Romantik verbunden sind und damals ungeheuer populär waren, vgl. Ederer, Hannelore: Die literarische … Continue reading. Eigene bittere Erfahrungen wie der Rauswurf aus der Studentenverbindung aufgrund seiner jüdischen Abstammung und eine unglückliche Liebesbeziehung veranlassten ihn jedoch nach neuen Ausdrucksformen zu suchen. Und in die gefälligen Gedichte des Buchs der Lieder mischten sich mehr und mehr Mißtöne. Seine „Volkslieder mit dem grellen Wechsel von Dur und moll“[2]Adorno: Minima Moralia, S. 99. brachten aus Gegensätzen, Stilbrüchen, gewagten (unreinen) Reimen, ungewohnten Lautkombinationen und auch durch den Einsatz von Fremdsuffixen einen neuen Ton in die immer altbackener werdende romantische Lyrik seiner Epoche:

Die Erde war so lange geizig,
Da kam der Mai, und sie ward spendabel,
Und alles lacht, und jauchzt, und freut sich,
Ich aber bin nicht zu lachen kapabel.

Die Blumen sprießen, die Glöcklein schallen,
Die Vögel sprechen wie in der Fabel;
Mir aber will das Gespräch nicht gefallen,
Ich finde alles miserabel.

Das Menschenvolk mich ennuyieret,
Sogar der Freund, der sonst passabel; –
Das kömmt, weil man Madame titulieret
Mein süßes Liebchen, so süß und aimabel.

Heine: Buch der Lieder. (vgl. Heine-WuB Bd. 1, S. 83-84)

In den volksliedhaften Ton, den Heine zweifellos antizipierte[3]Windfuhr: Revolution und Reflexion, S. 29; Walter Hinck: Die Wunde Deutschland. Heinrich Heines Dichtung im Widerstreit von Nationalidee, Judentum und Antisemitismus, Frankfurt a. Main 1990, S. 28; … Continue reading, schleichen sich Dissonanzen ein, die als Abgesang einer enttäuschten Liebe einen faden Beigeschmack hinterlassen[4]Hinck: Wunde Deutschland, S. 26; zu den biographischen Hintergründen und insbesondere zu Heines literarischem Vorbild Petrarca, bei dem das Thema der unglücklichen Liebe vorgebildet ist s. … Continue reading. Diese müssen zwar vor dem Hintergrund der eigenen Außenseitererfahrungen gesehen werden, sie wurden aber in übertriebener Weise von den Zeitgenossen als Ausdruck einer Identitätskrise bzw. als ‘Zerrissenheit’ verstanden[5]Gerhard Thrüm: Der Typ des Zerrissenen. Ein Vergleich mit dem romantischen Problematiken, Leipzig 1931, S. 94: „Die eigentümlich zwiespältige, ‘zerrissene’ Seelenstimmung Heines fand zuerst … Continue reading.

Sogar die Natur erweist sich in Heines Lyrik als trügerisch, weil sie dem lyrischen Ich zuerst eine falsche Freundlichkeit (Mai, die Blumen sprießen) vorspielt, die dann umso bitterer enttäuscht wird. Mit dieser Art von Lyrik hat sich Heine eine Unmenge an Kritik zugezogen. Die Leser suchten nach wahrer Empfindung, fanden aber nicht die von den Romantikern vorgeprägten Erfüllungsschemata. Diese enttäuschten Erwartungshaltungen werden als „ein feindliches Prinzip, schneidende Dissonanz, wilde Zerstörungslust, die Verzerrung edler Schönheit durch kaltes Hohnlächeln“ bezeichnet und dem Autor zum Vorwurf gemacht[6]Hädecke: Biographie Heine, S. 9; zu Kritikern s. Rezensionen Galley und Estermann: Ruge, Menzel etc. S. Kortländer, Nachwort; Thrüm: Typ des Zerrissenen, S .97: „diese ganze moderne Posie, die … Continue reading.

Doch was genau ruft das Fragwürdige der Liebesbeziehung und damit auch die Kritik an Heine hervor? Das Suffix -abel wird in dem Gedicht fünfmal, jedes Mal am Versende verwendet. Dies dient dazu, die aufgebaute Kulisse einer jungen Liebe, zu dessauvieren[7]Gertrud Waseem: Das kontrollierte Herz. Die Darstellung der Liebe in Heinrich Heines Buch der Lieder, Bonn 1976, S. 121.. Der Kontrast zwischen der Sphäre der Gefühle (Mai, lacht, jauchzt) und der Sphäre der Konvention (kapabel, passabel, titulieret) wendet die Situation ins Ironische[8]Agricola: Deutsche Sprache, S. 1043; zum Begriff des ‘Ironischen’ s. Preisendanz: Humor, S. 15.. Die Adjektive „spendabel“, „kapabel“, „miserabel“ und „aimabel“ haben den gleichen ‘Klangwert’ wie die deutschen Adjektive jammervoll, dürftig, kläglich, armselig[9]Kortstadt: Französische Sprachelemente, S.65 exemplifiziert dies an der äußeren Lautform des Adjektivs „deplorable“, übersieht aber, dass der Klangwert vor allem dem Suffix -abel … Continue reading. Diese Wirkung ist also dem Suffix -abel, genauer der äußeren Lautgestalt und nicht der Inhaltsseite dieser Adjektive zuzuschreiben. Die Aneinanderreihung dieser Suffixe verstärkt noch den Eindruck der Armseligkeit, weil Sie dem Leser in einer „Art Jahrmarktsrummel“ verkauft werden[10]Waseem: Buch der Lieder, S. 122.. Jemand, der nicht zum Lachen kapabel ist, wirkt abgeklärter, gefühlsmäßig weniger mitgenommen, als jemand, dem nicht zum Lachen zumute ist. Oder ein Mädchen, welches süß und aimabel ist, lässt den begehrenden Mann, trotz der Ablehnung, als gesellschaftlich höher und das Mädchen als Objekt erscheinen.

Eine ähnliche Wirkung entfaltet der Gebrauch französischer Anredeformen. Wenn ein Gedicht mit „Madame, ich liebe Sie“ (DHA I/1, 235) endet, dann erscheint die vorher Angebetete plötzlich in einem äußerst fragwürdigen Licht[11]Hofstaetter: Langeweile, S. 190; Kortländer; Buch der Lieder, S.394: „Heine hat meisterhafte Strategien entwickelt, um mit einer einzigen Wendung, einer Veränderung des Tons, Skepsis und Zweifel … Continue reading und an die Stelle von „unschuldiger“ Liebe treten Gefühlskälte, gesellschaftliche Konventionen und weltmännische Überheblichkeit[12]Vgl. Kortstadt: Französische Sprachelemente, S.66..

Auch im Prolog zur Harzreise ist es vor allem eine einzige Fremdwortbildung, die die „Tragfähigkeit der Gefühle“ erschüttert.

Schwarze Röcke, seidne Strümpfe,
Weiße, höfliche Manschetten,
Sanfte Reden, Embrassieren –
Ach, wenn sie nur Herzen hätten!

Heine: Prolog Harzreise (vgl. Heine-WuB Bd. 1, S. 165)

In die enumeratio der Falschheiten reiht er nicht nur das Kleidungsstück „Manschetten“, sondern auch das als falsch empfundene „Embrassieren“ ein, die beide als Signatur für die abgelebte Gesellschaft stehen. Die unverbundene Zusammenstellung von typischen Kleidungsstücken und Verhaltensweisen wird durch die exclamatio „Ach, wenn sie nur Herzen hätten!“ auf zweierlei Weise kontrastiert. Erstens semantisch, durch die Gegenüberstellung von äußerlichen (falschen) Eindrücken und innerlichen (echten) Gefühlen, wie sie nur Menschen mit Herzen haben können, aber auch stilistisch durch die monoton und technisch wirkende Reihung, der ein menschlicher, gefühlsbetonter Satz entgegengestellt wird.

Die Fremdwörter bekräftigen noch den semantischen und stilistischen Kontrast. Semantisch, weil sie für höfische und steife Konventionen stehen, aber auch durch die Komplexität der Wortbildung und die Fremdheit der Betonung fungieren sie als Antagonisten des lebensnotwenigen Herzens. Das lyrische Ich empört sich über so viel Unnatürlichkeit und Lebensferne. Man könnte die Wirkung der beiden Fremdwörter auf Lokalkolorit für die adelige Gesellschaft reduzieren, würde dabei allerdings andere Bedeutungsebenen vernachlässigen. Als Stilmittel vermitteln sie auf mehrfache Weise die Gespreiztheit und Unnatürlichkeit der abgelebten Gesellschaft. Sie entfalten dem Leser Informationen, die nicht der Inhaltsseite des Wortes entspringen, sondern allein der Ausdrucksseite.

Vom Verhalten und der Kleidung der höfischen Gesellschaft distanziert sich das lyrische Ich durch den Gebrauch der Fremdwortbildung „Embrassieren“. Welche Eigenschaft des Suffixes -ieren ruft diese Wirkung hervor? Im Gegensatz zu den meisten deutschen Verben (schütteln, sitzen, reden, fahren) liegt die Betonung der -ieren-Verben auf dem Suffix. Die Intonation ist höflich, distanziert, kalt, was wahrscheinlich aus der Übernahme des Suffixes aus der höfischen Sprache im 12. Jahrhundert herrührt. Der soziale Standort des Sprechers ist meist hoch, besonders bei nicht deutschstämmigen Verben, da zum Verständnis des Wortes die jeweilige Entlehungssprache beherrscht werden muss[13]Öhmann, Emil: Suffixstudien VI: Das deutsche Verbalsuffix -ieren, in: Müller, Peter (Hrsg.): Fremdwortbildung. Theorie und Praxis in Geschichte und Gegenwart, Frankfurt a. M. 2005, S. 272.. Die Fremdwortbildung embrassieren hat in deutschen Ohren eindeutig einen spöttisch-ironischen Charakter, im Gegensatz zum deutschen Synonym umarmen[14]Die Formulierung „spöttisch-ironisch“ ist der Taxonomie von Annikki Koskensalo: Arealität der von deutschen Wortstämmen abgeleiteten Verben mit dem Suffix -ieren in der deutschen … Continue reading. Und diese, durch den Klang des Suffixes -ieren ausgelöste Wirkung machte sich Heine zunutze.

Wie man im Himmel lebt, Madame, können Sie sich wohl vorstellen, um so eher, da Sie verheuratet sind. Dort amüsiert man sich ganz süperbe, man hat alle mögliche Vergnügungen, man lebt in lauter Lust und Pläsier, so recht wie Gott in Frankreich.

Heine: Reisebilder. Zweiter Teil. Heine-WuB, Bd. 3, S. 124-125.

Das „Gesellschaftswort“ ‘amüsieren[15]Angelika Linke: Sprachkultur und Bürgertum, Stuttgart 1996, S. 272 definiert es so: „Man amüsiert sich, wenn man – ausserhalb von Arbeitszusammenhängen – in Gesellschaft ist, und … Continue reading gibt den entscheidenden Hinweis. Die Rede vom Sich-Amüsieren ordnet dem Geschehen ein entpersönlichtes und sedimentiertes Erfahrungsmuster zu, dem „im Rahmen der bürgerlichen Lebenszusammenhänge eine bestimmte, das individuelle Erlebnis überformende soziale Funktion zukommt“[16]Ebd., S. 286 f..

Literatur

Adorno, Theodor: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Frankfurt 1951.

Agricola, Erhard: Die deutsche Sprache, Leipzig 1970.

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Ederer, Hannelore: Die literarische Mimesis entfremdeter Sprache. Zur sprachkritischen Literatur von Heinrich Heine bis Karl Kraus, Köln 1979.

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Hädecke, Wolfgang: Heinrich Heine. Eine Biographie, München/Wien 1985.

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Hinck, Walter: Die Wunde Deutschland. Heinrich Heines Dichtung im Widerstreit von Nationalidee, Judentum und Antisemitismus, Frankfurt a. Main 1990.

Öhmann, Emil: Suffixstudien VI: Das deutsche Verbalsuffix -ieren, in: Müller, Peter (Hrsg.): Fremdwortbildung. Theorie und Praxis in Geschichte und Gegenwart, Frankfurt a. M. 2005, S. 263-282.

Hofstaetter, Ursula: Langeweile bei Heinrich Heine, Heidelberg 1991.

Hohendahl, Peter Uwe: Literaturkritik und Öffentlichkeit, München 1974.

Jacobs, Jürgen: Zu Heines „Ideen. Das Buch Le Grand“, in: Heinrich Heine Jahrbuch 7 (1968), S. 3-11.

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Kortländer, Bernd: Buch der Lieder. Nachwort, in: Kortländer, Bernd

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Kortstadt, Carl: Die Individualisierung der Prosa Heinrich Heines in Sprache und Stil durch französische Sprachelemente, in: Heinrich Heine Jahrbuch 13 (1974), S. 60-84.

Koskensalo, Annikki: Arealität der von deutschen Wortstämmen abgeleiteten Verben mit dem Suffix -ieren in der deutschen Standardsprache und in den deutschen Mundarten und semantisch-stilistische Funktion des Suffixes -ieren Anhand dieser Verben, Tampere 1984.

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Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat, München 1998.

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Thrum, Gerhard: Der Typ des Zerrissenen. Ein Vergleich mit dem romantischen Problematiker, Leipzig 1931.

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Windfuhr, Manfred: Revolution und Reflexion, Stuttgart 1969.

Wülfing, Wulf: Skandalöser ‘Witz’. Untersuchungen zu Heines Rhetorik, in: Kuttenkeuler, Wolfgang (Hrsg.): Heinrich Heine. Artistik und Engagement, Stuttgart 1977, S. 43-65.

References

1 Im Buch der Lieder finden sich viele Gedichte wie die Loreley, die dem poetischen Programm der Romantik verbunden sind und damals ungeheuer populär waren, vgl. Ederer, Hannelore: Die literarische Mimesis entfremdeter Sprache. Zur sprachkritischen Literatur von Heinrich Heine bis Karl Kraus, Köln 1979, S. 23; Kortländer, Bernd: Buch der Lieder. Nachwort, in: Kortländer, Bernd (Hrsg.): Heinrich Heine: Buch der Lieder, Stuttgart 2003, S. 387.
2 Adorno: Minima Moralia, S. 99.
3 Windfuhr: Revolution und Reflexion, S. 29; Walter Hinck: Die Wunde Deutschland. Heinrich Heines Dichtung im Widerstreit von Nationalidee, Judentum und Antisemitismus, Frankfurt a. Main 1990, S. 28; Kortländer: Buch der Lieder, S. 382.
4 Hinck: Wunde Deutschland, S. 26; zu den biographischen Hintergründen und insbesondere zu Heines literarischem Vorbild Petrarca, bei dem das Thema der unglücklichen Liebe vorgebildet ist s. Windfuhr: Revolution und Reflexion, S. 24 ff.
5 Gerhard Thrüm: Der Typ des Zerrissenen. Ein Vergleich mit dem romantischen Problematiken, Leipzig 1931, S. 94: „Die eigentümlich zwiespältige, ‘zerrissene’ Seelenstimmung Heines fand zuerst einen dichterischen Ausdruck in seinen Liedern und in der ‘Harzreise’, noch ehe er eigentlich sich selbst über seinen Zustand gewiß wurde und ihn theoretisch beschrieb. Doch empfanden seine Zeitgenossen sofort, dass das Neue der Heineschen Poesie eben in dieser gebrochenen, zwiespältigen Stimmung lag. Schon der erste Rezensent der Gedichte Heines schreibt: ‘Wir sehen hier edle Schönheit, die verzerrt wird durch ein kaltes Hohnlächeln, gebietende Hoheit, die übergeht in trotzigen Hochmut, und klassischen Schmerz, der sich anfangs windig gebärdet und endlich versteinert in trostloser Zerknirschung.’“; vgl. Wolfgang Preisendanz: Die umgebuchte Schreibart. Heines literarischer Humor im Spannungsfeld von Begriffs-, Form- und Rezeptionsgeschichte, in: Wolfgang Kuttenkeuler (Hrsg.): Heinrich Heine: Artistik und Engagement, Stuttgart 1977, S. 15; Hinck: Wunde Deutschland, S. 34 ff.; Wolfgang Preisendanz: Heinrich Heine. Werkstrukturen und Epochenbezüge, München 1973, S. 12f.; Hädecke: Biographie Heine, S. 9 ff.; Hofstaetter, Ursula: Langeweile bei Heinrich Heine, Heidelberg 1991, S. 190.
6 Hädecke: Biographie Heine, S. 9; zu Kritikern s. Rezensionen Galley und Estermann: Ruge, Menzel etc. S. Kortländer, Nachwort; Thrüm: Typ des Zerrissenen, S .97: „diese ganze moderne Posie, die die heterogenen Elemente der Sprache zusammenzwang, die durchseelten Worte der Weihrede mit den abgegriffensten Wendungen der Gemeinsprache kopulierte, die sensationslüsterne Geister entzückte“; vgl. Helmut Heißenbüttel: Materialismus und Phantasmagorie im Gedicht. Anmerkungen zur Lyrik Heinrich Heines, in: Gerhard Höhn (Hrsg.): Heinrich Heine. Ästhetischpolitische Profile, Frankfurt a. Main 1991, S. 40 ff.
7 Gertrud Waseem: Das kontrollierte Herz. Die Darstellung der Liebe in Heinrich Heines Buch der Lieder, Bonn 1976, S. 121.
8 Agricola: Deutsche Sprache, S. 1043; zum Begriff des ‘Ironischen’ s. Preisendanz: Humor, S. 15.
9 Kortstadt: Französische Sprachelemente, S.65 exemplifiziert dies an der äußeren Lautform des Adjektivs „deplorable“, übersieht aber, dass der Klangwert vor allem dem Suffix -abel zuzuschreiben ist.
10 Waseem: Buch der Lieder, S. 122.
11 Hofstaetter: Langeweile, S. 190; Kortländer; Buch der Lieder, S.394: „Heine hat meisterhafte Strategien entwickelt, um mit einer einzigen Wendung, einer Veränderung des Tons, Skepsis und Zweifel an der Tragfähigkeit der Gefühle als Medien zur Erreichung jenes Ziels einer Versöhnung auszulösen.“
12 Vgl. Kortstadt: Französische Sprachelemente, S.66.
13 Öhmann, Emil: Suffixstudien VI: Das deutsche Verbalsuffix -ieren, in: Müller, Peter (Hrsg.): Fremdwortbildung. Theorie und Praxis in Geschichte und Gegenwart, Frankfurt a. M. 2005, S. 272.
14 Die Formulierung „spöttisch-ironisch“ ist der Taxonomie von Annikki Koskensalo: Arealität der von deutschen Wortstämmen abgeleiteten Verben mit dem Suffix -ieren in der deutschen Standardsprache und in den deutschen Mundarten und semantisch-stilistische Funktion des Suffixes -ieren Anhand dieser Verben, Tampere 1984, S. 11 entliehen, der die konnotativ-stilistischen Funktionen des Verbalsuffixes -ieren in 1. pejorativ, z. B. maserieren („Maseranstrich geben“; „einen prügeln, bis man die Spuren der Hiebe sieht“), 2. meliorativ, z. B. schnabulieren in der Bedeutung „mit Behagen essen“, 3. spöttisch-ironisch, z. B. bauerieren in der Bedeutung „ein Bauer sein wollen“, 4. komisch-scherzhaft, z. B. schusterieren „als Gelegenheitsschuster, z. B. im Winter ohne berufliche Ausbildung gelegentlich arbeiten“, 5. euphemistisch, z. B. bückselieren, „kacken“ einteilt.
15 Angelika Linke: Sprachkultur und Bürgertum, Stuttgart 1996, S. 272 definiert es so: „Man amüsiert sich, wenn man – ausserhalb von Arbeitszusammenhängen – in Gesellschaft ist, und zwar möglichst nicht allzu familiär, sondern mit einem gewissen Anklang von Öffentlichkeit.“
16 Ebd., S. 286 f.

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