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Friedrich Sieburg

Geb. 18.5.1893 in Altona (Sauerland); gest. 19.7.1964 auf Gut Schwalbenhof bei Gärtringen bei Böblingen. Sieburg wuchs in Düsseldorf auf, wo er 1912 am humanistischen Gymnasium sein Abitur ablegte. Als er in Heidelberg die Fächer Philosophie, Geschichte und Germanistik studierte, stand er dem George-Kreis nahe. Ab 1914 nahm er am Ersten Weltkrieg teil, in dessen Verlauf er zum Leutnant aufstieg. Als Kriegsversehrter beendete er in Münster nach dem Krieg sein Studium mit einer Dissertation über Die Grade der lyrischen Formung, Beiträge zu einer Ästhetik des lyrischen Stils. Zwischen 1919 und 1923 lebte er als freier Schriftsteller in Berlin und verfasste Theater- und Filmkritiken, u.a. für Die Weltbühne. Enge Kontakte verbanden ihn mit Kurt Tucholsky und Walter Hasenclever. Danach zog es ihn nach Kopenhagen, wo er für die Frankfurter Zeitung zu arbeiten begann. Als Auslandskorrespondent der Zeitung wechselte er 1926 nach Paris, 1930 nach London und 1932 wieder nach Paris.

Friedrich Sieburg. Quelle: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.portraet-friedrich-sieburg-scharfsinnig-und-extravagant.964b0a55-9403-4633-906c-808d7f7ae159.html

Er avancierte vor allem aufgrund des Erfolges seines Buches Gott in Frankreich? zu einem renommierten Kenner und Vermittler französischer Kultur und Lebensweise. Von der „Machtergreifung“ Hitlers war er nach anfänglicher Zustimmung tief enttäuscht. Seine Biographie über den Schreckensherrscher Robespierre konnte man leicht auf die damaligen deutschen Verhältnisse übertragen, dennoch wurde sie von der Zensur nicht verboten. Im Gegensatz zum Essay Es werde Deutschland aus dem Jahr 1932, der aufgrund der Kritik am Antisemitismus der Zensur anheimfiel. In den späten 1930er Jahren unternahm er ausgedehnte Reise nach Afrika, Portugal und Japan, über die er umfangreiche Reportagen anfertigte. 1939 wurde er Gesandtschaftsrat der deutschen Botschaft in Brüssel, 1940 Botschaftsrat in Paris. Er rechtfertigte diese Tätigkeit damit, dass er sonst in anderer Weise hätte Kriegsdienst leisten müssen. Vor französischen Kollaborateuren äußerte er sich dahingehend, dass er durch sein Leben in Frankreich „zum Kämpfer und zum Nationalsozialisten“ geworden sei. Es ist allerdings nicht bekannt, ob sein Aufnahmeantrag in die NSDAP angenommen wurde. 1942 schied er aus dem Botschaftsdienst aus, stieg wieder bei der Frankfurter Zeitung ein, nach deren Verbot arbeitete er dann für die Börsenzeitung und zog sich schließlich bis zum Ende des Krieges ganz aus dem Berufsleben zurück.

Auch nach 1945 hatte er Schwierigkeiten, wieder als Journalist und Schriftsteller zu arbeiten. Nach einem Schreibverbot durch die französische Militärregierung wurde er allerdings 1948 im Entnazifizierungsverfahren als „unbelastet“ eingestuft. Er zog nach Tübingen und arbeitete dort als Literaturkritiker, gelegentlich auch für Die Zeit. 1957 übersiedelte Sieburg nach Gärtringen und leitete zwischen 1956 und 1964 das Literaturblatt der FAZ. Mit seinen Biographien über Napoleon (1956) und Chateaubriand (1959) hatte er große Bucherfolge. Außerdem übte er durch seine kulturkritischen Essays, gesammelt in Die Lust am Untergang, Selbstgespräche auf Bundesebene (1954), erheblichen Einfluss auf die bundesdeutsche Öffentlichkeit aus.  

Lit.: Gunther Nickel: Sieburg, Friedrich, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 24, S. 331-333.

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