Kategorien
Biographische Skizzen Schriftsteller

Maria Sibylla Merian

Maria Sibylla Merian ist eine der interessantesten und eigensinnigsten Frauen ihrer Zeit, die vor allem durch ihre präzisen Tier- und Pflanzenbeschreibungen bekannt wurde.

Maria Sibylla Merian, Entomologin, Blumen- und Insektenmalerin, * 2.4.1647 in Frankfurt am Main, † 13.1.1717 in Amsterdam.

Die Tochter des Frankfurter Kupferstechers Matthäus Merian ist eine der interessantesten und eigensinnigsten Frauen ihrer Zeit. Sie betrieb als erste Frau in Übersee wissenschaftliche Forschungen zur tropischen Tier- und Pflanzenwelt, die sie in selbst illustrierten Kupferstichwerken veröffentlichte. Das 1675 erschienene erste Buch ihres Blumenbuchs begründete ihren Ruf. 1677 und 1680 folgten weitere Bände dieses Werks. Daneben befasste sie sich mit der Metamorphose der Schmetterlinge und Käfer. 1679 publizierte sie ihr Raupenbuch mit 50 Stichen, worin sie die behandelten Insekten in ihren drei Entwicklungsstufen und die zugehörigen Futterpflanzen auf einem Blatt zeigte.

Abbildung aus dem Blumenbuch.

1685 verließ sie ihren Mann, schloss sich der pietistischen Sekte der Labadisten an und lebte in Westfriesland. Dort dürfte sie zum ersten Mal Kenntnis von der tropischen Insektenwelt erlangt haben. 1691 übersiedelte sie dann nach Amsterdam, dem damaligen Zentrum des Wissens über die tropische Tier- und Pflanzenwelt. Sie bewegte sich dort in politischen und wissenschaftlichen Kreisen und dürfte auch auf Persönlichkeiten getroffen sein, die ihre Forschungstätigkeit unterstützten. Im Juli 1699 folgte sie dem Beispiel ihrer ältesten Tochter, die zur Labadistengemeinde Providentia in Surinam ausgewandert war. In dieser niederländischen Kolonie begann sie tropische Schmetterlinge und anderen Insekten zu beobachten und zu sammeln. Nach zwei Jahren intensiver Forschungstätigkeit musste sie gesundheitsbedingt nach Amsterdam zurückkehren, wo sie das Material in Reinzeichnungen überführte und 1705 unter dem Titel Metamorphosis Insectorum Surinamensium veröffentlichte. Das Werk zieren 60 Kupfertafeln, die in ihrem Auftrag gestochen und von ihr nachträglich koloriert wurden. Wie schon im Raupenbuch ist der Zweig einer Pflanze und ein Insekt als Raupe, Puppe und Schmetterling auf einem Blatt abgebildet. Eine naturwissenschaftliche Bestimmung der Insekten erfolgte erst später.

Seite XXIII aus Metamorphosis insectorum Surinamensium, Boccaves-Frucht mit Eidechse. Quelle: Mediawiki commons.

Mit den aus Surinam mitgebrachten Stücken trieb sie Handel. Besonders in den damals beliebten Raritätenkabinetten waren diese überseeischen Mitbringsel beliebt. In der damaligen gelehrten Welt erfuhren Merians Arbeiten eine hohe Wertschätzung, da sie sich durch die Genauigkeit des Blicks und die Sachlichkeit der Darstellung auszeichneten. Dabei wurde das Beobachtete in zeittypischer Weise auf das Wirken Gottes zurückgeführt und damit in das Wissensparadigma der sog. Physikotheologie eingeordnet. Solche kleinteiligen, fragilen und ästhetisch anziehenden Tierkörper von Insekten konnte nur ein unendlich begabter Handwerkergott geschaffen haben – so die gerade in pietistischen Zirkeln Nordwesteuropas verbreitete Vorstellung. Mit der Beobachtung und Darstellung dieser Geschöpfe wurde die Existenz Gottes „bewiesen“, was in Zeiten der Glaubens- und Bürgerkriege dringlicher denn je erschien. Naturforschung wurde so zum Gottesdienst. Mit diesem Design-Argument operierten eine ganze Reihe der bedeutendsten Naturforscher dieser Zeit, u.a. John Ray (1627-1705), Robert Boyle (1627-1692) oder auch Robert Hooke (1635-1703), der in seiner Micrographia (1665) so wundersame Einrichtungen wie die Facettenaugen der Fliege in hundertfacher Vergrößerung dem erstaunten Lesepublikum vor Augen stellte.

Die Facettenaugen einer Fliege aus Hookes Micrographia von 1665. Quelle: Wikimedia commons.

Kommentar verfassen