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Biographische Skizzen Literaturwissenschaft im Nationalsozialismus

Fritz Brüggemann

Geb. 18.12.1876 in Aachen; gest. 5.8.1945 in Berlin. Brüggemann studierte ab 1899 Philologie und Rechtswissenschaften in Bonn, Berlin und München, ab WS 1903/04 auch Philosophie in Leipzig, u.a. bei Karl Lamprecht. Die Promotion erfolgte 1909 bei Albert Köster ebenfalls in Leipzig. Titel: Die Ironie in Tiecks William Lovell und seinen Vorläufern. Nach der Habilitation an der TH Aachen im Jahr 1918 wird Brüggemann Privatdozent für Deutsche Literatur- und Kulturgeschichte an der TH Aachen. 1923-1928 ist er außerplanmäßiger Professor, 1928 erfolgt eine Umhabilitation an die Universität Kiel, und dort wird er als außerplanmäßiger Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte bestellt. Am 16.10.1935 wird ihm die Lehrbefugnis aufgrund § 18 der Reichshabilitationsordnung entzogen. Dort heißt es: „Der Reichswissenschaftsminister kann die Lehrbefugnis entziehen oder einschränken, wenn es im Universitätsinteresse geboten ist.“ Es kommt allerdings am 20.11.1935 zum Freispruch durch das Kreisgericht Kiel der NSDAP, weshalb eine Fortsetzung seiner Bezahlung verfügt wird. Er wird aber wohl nicht mehr eingestellt. Fortan betätigt sich Brüggemann als Privatgelehrter, veröffentlicht aber nichts mehr.

Brüggemanns Forschungsschwerpunkte lagen auf der Literatursoziologie und auf der kulturwissenschaftlichen Literaturgeschichte, vor allem bezogen auf die Epoche der Aufklärung. Brüggemanns Methodik wurde von völkischen Wissenschaftlern der NS-Zeit als „unmodern“ kritisiert, da sie noch zu sehr der Geistesgeschichte der Vorkriegszeit verhaftet gewesen sei.

Lit.: Siegfried Gröf: Brüggemann, Fritz, in: Christoph König (Hrsg.), unter Mitarbeit von Birgit Wägenbaur u. a.: Internationales Germanistenlexikon 1800–1950, Bd. 1, De Gruyter, Berlin/New York 2003, S. 280-290; Gerhard Kaiser: Grenzverwirrungen. Literaturwissenschaft im Nationalsozialismus, Berlin 2008 (insb. S. 431); Brüggemann, Fritz, in: NDB online.