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Biographische Skizzen Germanist

Wolfdietrich Rasch

Wolfdietrich Rasch war Germanistikprofessor in Würzburg in der Zeit des Nationalsozialismus. Er forschte unter anderem zu Jean Paul, Goethe und Robert Musil.

Geboren am 20. April 1903 in Breslau, gestorben am 7. September 1986 in Meran. Rasch studierte die Fächer Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte und Anglistik in München, Heidelberg, Berlin und Breslau. 1929 erfolgte die Staatsprüfung für den höheren Schuldienst. Zuvor wurde er zum Thema Die Freundschaft bei Jean Paul bei Rudolf Unger promoviert. Auch die Habilitation im Jahr 1933 widmete sich wieder dem Motiv der Freundschaft in der Literatur, diesmal vom Ausgang des Barock bis zu Friedrich Gottlieb Klopstock.

In den Jahren des Dritten Reiches erfolgte ein stetiger beruflicher Aufstieg als Germanist, auch wenn ihm ein ordentlicher Lehrstuhl verwehrt blieb. Von 1933 bis 1941 war Rasch Privatdozent für Neuere deutsche Sprache und Literatur an der Universität Halle, von 1939 bis 1941 vertrat er dann den außerordentlichen Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Würzburg, den Johannes Alt aufgrund des § 175 StGB (sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts) freimachen musste. Diesen bekleidete er dann von 1941 bis 1945. Außerdem vertrat er im Wintersemester 1943/44 den Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Erlangen.

Nach dem Ende des Krieges wurde Rasch mit Entschließung der Regierung von Mainfranken entlassen, da er ab 1933 als SA-Mann bei der Sturmabteilung aktiv war und später in die NSDAP, in den NS-Dozentenbund sowie in die NS-Volkswohlfahrt eintrat, wenngleich er dort keine Ämter innehatte. Er wurde 1947 durch die Spruchkammer Würzburg Stadt I zu einer Geldbuße verurteilt und als nomineller Mitläufer eingestuft.

Nach einem Jahr als Privatdozent war er von 1949 bis 1955 außerplanmäßiger Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Würzburg, zwischen 1955 und 1958 dann außerordentlicher Professor. Nach einer Lehrstuhlvertretung war Rasch von 1958 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1971 ordentlicher Professor für Deutsche Philologie an der Universität Münster.

Neben der Beschäftigung mit der Literaturgeschichte vom 18. bis zum 20. Jahrhundert forschte Rasch insbesondere zur Goethezeit, zur Literatur um 1900 und zu Robert Musil.

Werke

  • Die Freundschaft bei Jean Paul, Breslau und Oppeln 1929. (Diss. phil.)
  • Freundschaftskult und Freundschaftsdichtung im deutschen Schrifttum des 18. Jahrhunderts vom Ausgang des Barock bis zu Klopstock, Halle/Saale 1936. (Habil.-Schrift)
  • Herder. Sein Leben und Werk im Umriß, Halle/Saale 1938.
  • Goethes „Torquato Tasso“. Die Tragödie des Dichters, Stuttgart 1954.
  • Über Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“, Göttingen 1967.
  • Zur deutschen Literatur seit der Jahrhundertwende. Gesammelte Aufsätze, Stuttgart 1967.
  • Goethes „Iphigenie auf Tauris“ als Drama der Autonomie, München 1979.
  • Die literarische Décadence um 1900, München 1986.
  • als Übersetzer: Albert Camus, Der Mythos des Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde, Bad Salzig und Düsseldorf 1950.

Literatur

Christian Begemann: Rasch, Wolfdietrich, in: Christoph König (Hrsg.), unter Mitarbeit von Birgit Wägenbaur u. a.: Internationales Germanistenlexikon 1800–1950, Bd. 3, De Gruyter, Berlin/New York 2003, S. 1462–1464.

Dieser Beitrag basiert auf dem Wikipedia-Artikel zu Wolfdietrich Rasch, den ich unter dem Pseudonym „Cherämon“ bis auf wenige, kleinere Änderungen selbst verfasste.

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